Postdramatik


Elfriede Jelinek

Winterreise

Veröffentlicht am 26.03.2012

Autorin: Elfriede Jelinek
Claudia Meyer (Regie)
Sascha Gross (Bühne)

Nationaltheater Weimar


Elfriede Jelinek schreibt gegen Missstände im öffentlichen, politischen, aber auch im privaten Leben der österreichischen Gesellschaft. Dabei benutzt sie einen sarkastischen, provokanten Stil, der von ihren Gegnern („Nestbeschmutzer“-Diskussion), aber auch von ihr selbst mitunter als obszön, blasphemisch, vulgär oder höhnisch beschrieben wird. Seit Jahren tobt eine heftige Kontroverse zwischen denen, die durch ihre Texte und auch ihre öffentlich kundgetane politische Meinung bis hin zur Schmähung und Aggressivität provoziert werden, und jenen, die sie als Sprachkünstlerin feiern.


Jelinek/Schleef

Sportchor aus "Ein Sportstück"

Hochgeladen am 26.08.2008

Autorin: Elfriede Jelinek
Regie: Einar Schleef

Ein Ausschnitt aus dem Sportchor der Einar Schleef-Inszenierung vom Frühjahr 1998 am Wiener Burgtheater. Dieser Teil ist einer 3Sat-Fernsehaufzeichnung anlässlich des Berliner Theatertreffens 1998 entnommen. Spielort ist das Schillertheater.


Thema des Stückes ist der Sport, mit all seinen Schattenseiten und negativen Folgeerscheinungen: Gewalt und Massenhysterie. In diesem Stück geht es vor allem um den Sport als eine andere Form von Krieg, Sport als Massenphänomen, und als das „einzig sanktionierte Auftreten von Gewalt“, Sport als „Metapher für Dinge, unter denen sich Gewalt hereinschleicht“, um die Masse, ganz im Sinn von Elias Canetti (Masse und Macht, und ihr Verhältnis zur Macht). Der Sport stellt für die Autorin eine moderne Form des Krieges dar, eine Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln.


Die Premiere fand am 23. Januar 1998 am Wiener Burgtheater unter der Regie des deutschen Regie-Exzentrikers Einar Schleef statt. Elfriede Jelinek hatte sich ausdrücklich Schleef als Regisseur gewünscht, weil dieser durch seine seit Jahren entwickelte spezielle Form des chorischen Theaters als „Herr der Chöre“ galt und ihr für die vielen Chorpassagen als der geeignetste erschien. Es war eine Monsterproduktion mit weit über 100 Darstellern, darunter ein 80stimmiger Sprechchor und ein kleines Orchester. Einar Schleef reizte mit seiner Inszenierung wieder einmal den gesamten Apparat eines Theaterhauses vollständig aus. Legendär wurde auch sein Kniefall vor Claus Peymann bei der Premiere auf offener Bühne - Schleef wollte damit die Ausdehnung der Spieldauer bis nach 23 Uhr erzwingen, was ihm für die Premiere auch gelang: gegen 23 Uhr, als das Stück noch immer nicht zu Ende schien, trat Schleef an die Bühnenrampe, kniete sich vor dem in einer Loge zuschauenden Burgtheaterdirektor Peymann nieder und bat ihn – zum allgemeinen Gelächter des Publikums - mit flehender Stimme, doch noch bis nach 23 Uhr weiterspielen zu dürfen (am Burgtheater müssen laut kollektivvertraglicher Regelung alle Vorstellungen bis spätestens 23 Uhr zu Ende sein, sonst kostet das teure Überstunden). Der sichtlich peinlich berührte Peymann gewährte dies und versprach sogar, die Überstunden aus seiner eigenen Privattasche zu bezahlen.


Einar Schleef

Faust

Hochgeladen am 17.08.2010

Einar Schleefs Faust-Inszenierung am Schauspiel Frankfurt 1990 mit Martin Wuttke, Margarita Broich, Richy Müller, Nicole Keller u.v.a.


Wie eben erwähnt war der Einsatz des Chores ein Charakteristikum seiner Inszenierungen. Im nachantiken Theater hatte dieser kaum noch eine Rolle gespielt. Besonders in seinen frühen Theaterarbeiten wurden die Sprechchöre häufig als ideologisches Zeichen missgedeutet. Der Vorwurf, Schleefs Theater sei militant oder gar faschistoid, wurde sowohl von Regie-Kollegen wie Peter Zadek als auch von etlichen Theaterkritikern erhoben. In seinem Essay-Band Droge Faust Parsifal entwickelte Schleef seine ästhetischen Anschauungen und beschrieb die Wiederbelebung des Chores als ein zutiefst inhaltliches Element, das auf den verloren gegangenen Zusammenhang von Individuum und Gesellschaft zielt, den es im Theater wiederzugewinnen gälte.


Heiner Müller

Die Hamletmaschine

Hochgeladen am 21.10.2009

Theater Bremen: Heiner Müller gilt als Prophet, seiner Zeit weit voraus. Seine Entlarvung der europäischen Geschichte als eine permanente Wiederholung von Gewalt macht ihn zu einem der wichtigsten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts: Müller rechnet mit dem gefeierten Fortschritt ab, den er als einen Kreislauf des ewig Gleichen aufdeckt.


Die Rezeption Heiner Müllers ist geprägt von (politischen) Grenzen und durch Brüche gekennzeichnet. Bedingt durch Publikations- und Aufführungsverbote in der DDR wurden viele Texte Müllers zuerst in der Bundesrepublik rezipiert. Seine Sicht auf die Dinge war im eigenen Land unerwünscht, seine Stücke tauchten im Schnitt erst fünfzehn Jahre nach ihrer Entstehung auf den Bühnen der DDR auf. Während in der Bundesrepublik die bis heute beste, weil am genauesten Müllers Textverständnis entsprechende elfbändige Edition (Rotbuchverlag, 1974–1989) entstand, blieben viele Texte einem breiteren Publikum in der DDR bis zu ihrem Zusammenbruch verschlossen. Aufgrund der Affäre um Müllers/Tragelehns Umsiedlerin im Jahr des Mauerbaus 1961 kam es zur systematischen Ausgrenzung Heiner Müllers aus dem literarischen Leben der DDR. Mit dem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR war Müller stigmatisiert und den staatlichen Zensurbehörden fortan suspekt.


Heiner Goebbels

Samples: International Ibsen

Veröffentlicht am 23.03.2012

Heiner Goebbels (* 17. August 1952 in Neustadt an der Weinstraße) ist ein deutscher Musiker, Komponist, Hörspielautor, Regisseur und Professor für Angewandte Theaterwissenschaft.Er bekam zahlreiche Auszeichnungen für seine Werke.


Seit Mitte der 1990er Jahre liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf Musiktheater-Stücken, z. B. mit dem Ensemble Modern, die in einem Team von Dramaturgen, Bühnenbildnern, Lichtgestaltern, Kostümbildnern und Sounddesignern entwickelt werden und die weltweit zu vielen Theater- und Musik-Festivals eingeladen wurden. In ihnen stehen Text, Bild, Musik, Licht, Bewegung und Szene in einem schwebenden, gleichwertigen Verhältnis.

Unter seinen Arbeiten finden sich auch Sound- und Videoinstallationen, z. B. "Timeios" für das Centre Pompidou in Paris, "Genko An" (Berlin, Darmstadt), "Stifters Dinge - The Unguided Tour" (London) und zahlreiche Kollaborationen mit Videokünstlern und Choreographen.


René Pollesch

"Herein! Herein! Ich atme ..."

Veröffentlicht am 21.01.2014

Der Autor und Regisseur René Pollesch hat mit seinen Texten und Inszenierungen eine eigene Theatersprache geschaffen, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Schauspielhaus Zürich: „Calvinismus Klein" (2009), „Fahrende Frauen" (2011), „Macht es für euch!" (2012) -- aktuell „Herein! Herein! Ich atme euch ein!"


"Meine Arbeiten", sagte Pollesch anlässlich der "Prater-Saga" 2005, "leben von einer Kompetenz für das, was meine Probleme sind, von meinem Wunsch, mich zu verorten, meinem Wunsch, mich zu orientieren und der damit verbundenen Energie." Dieser lebensweltliche Orientierungswunsch trifft auf Themen wie die Privatisierung des öffentlichen Raumes ("Stadt als Beute", 2001) oder peilt die Idee der bürgerlichen Kleinfamilie an ("Die Welt zu Gast bei reichen Eltern", 2007). Der Mehrteiler "world wide web-slums" untersucht, als Zukunftsmärchen für die Gegenwart, die Auflösung des menschlichen Subjekts im Zeitalter von Internet und Vollvermarktung. Und immer wieder richtet sich der Blick auf die (Schein-)Identitäten der Geschlechter und die Normierung von Sexualität. Durchgehend zeigt sich dabei der Orientierungswunsch von einer radikalen Ich-Perspektive getragen: "JA, DAS BIN ICH. Ich warte auf die Entschlüsselung meines verfickten Lebens." ("Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr", 2000)


Schlingensief

Via Intolleranza II

Hochgeladen am 08.09.2011

Theaterfestival: Fremd Politik im Freien Theater
27. Oktober bis 7. November 2011 in Dresden (HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden und Staatsschauspiel Dresden) Christoph Schlingensief


1997 nannte ihn der Kritiker C. Bernd Sucher in der Süddeutschen Zeitung noch euphorisch „einen der letzten Moralisten unter den deutschen Theatermachern“, der nicht um der Provokation willen provoziere, sondern „trotzig wie ein Kind und starrsinnig wie ein Weiser auf die herrschenden Verhältnisse“ reagiere. Dies bestritten in den darauffolgenden Jahren einige Kritiker, die dem Aktionskünstler Provokation um der Provokation willen nachsagten. Der „Schlingensief’sche Verwertungskosmos“, so René Hamann in der taz vom 17. Januar 2007, „diese sich selbst verdauende Referenzhölle“ mache Kritiker zu Frontberichterstattern. Hamanns Fazit: „Aber um Erkenntnis, Sichtung, Licht geht es bei Schlingensief schon lange nicht mehr.“


Thalheimer

Die Ratten

Veröffentlicht am 22.01.2014

Die Ratten - Gerhart Hauptmann - DVD
"Ein erregend spannender Theaterabend" Berliner Zeitung
"Ein erhellendes Denk-, ein grandioses Mitfühlstück." Deutsches Theater Berlin


Insbesondere am Hamburger Thalia Theater erwarb sich Thalheimer mit Inszenierungen von Schillers Kabale und Liebe, Schnitzlers Liebelei und anderen Klassikern einen exzellenten Ruf als Theaterregisseur, der auch schwierigste Stoffe auf ihren Grundgehalt reduzieren und diesen emotional wie mental transportieren kann. Dabei legt Thalheimer als Perfektionist extrem viel Wert auf das Mienenspiel und die Gestik seiner Darsteller, die manchmal minutenlange, wortlose Phasen füllen, um dann wieder von absatzweise rezitierten und im Stakkato vorgetragenen Textfluten abgelöst werden.


She She Pop

Schubladen

Veröffentlicht am 02.11.2012

In SCHUBLADEN treffen She She Pop - Frauen aus der ehemaligen BRD - auf Altersgenossinnen aus der ehemaligen DDR, um sich von ihnen im Schwesternkuss ans Herz drücken zu lassen. Gemeinsam zeigen sie "Wiedervereinigung" als Beziehungsarbeit nachträglich und live! auf der Bühne. Sie bekennen sich zur Vielstimmigkeit, zur kollektiven Erzählung.


She She Pop sind ein Performance-Kollektiv mit sieben Mitgliedern in Berlin und Hamburg, das 1998 aus dem Studiengang der Angewandten Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen hervorgegangen ist. Ihre Performance-Stücke zeichnen sich durch Konzepte und originelle Spielstrukturen aus. Ständige Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.

She She Pop thematisiert Voyeurismus, künstlerische Prostitution und zeigt Strategien weiblicher Selbstinszenierung. Ausgangspunkt für die Arbeit von She She Pop ist häufig die Auseinandersetzung mit populären Genres wie der Seifenoper, der Gameshow oder einer Homestory. Regelmäßig arbeitet die Gruppe auf Kampnagel (Hamburg), im Hebbel am Ufer (Berlin) und im Forum Freies Theater (Düsseldorf).


Rimini Protokoll

100 Prozent Berlin

Hochgeladen am 31.12.2008
Rimini Protokoll "100 PROZENT BERLIN", Premiere am 1.2.2008 im HAU EINS (Hebbel am Ufer), zum 100jährigen Jubiläum des Hebbel Theaters Berlin, Regie: Helgard Haug, Stefan Kaegi, Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)

Rimini Protokoll ist der Name, unter dem Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel ihre Theater-, Performance- und Hörspiel-Projekte ankündigen und realisieren. Dabei sind Ankündigung und Realisation unabhängig davon, ob die Projekte einzeln, zu zweit oder im Dreier-Team erarbeitet worden sind.

Rimini Protokoll zeigen ein ästhetisches, kein politisches Programm: Die unterschiedlichen Formen von Protokoll – als Textgattung bzw. als Ablaufplan für die Inszenierung beispielsweise internationaler Beziehungen – werden dem Drama als vorherrschende Textform des Theaters und des Hörspiels gegenübergestellt.

Die drei Künstler studierten in den 90er Jahren am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. Markenzeichen ihrer Theater- und Radioprojekte ist die Arbeit mit sogenannten Experten aus der Wirklichkeit oder Spezialisten: Es sind Theater-Laien, die jedoch nicht als Laien sondern als Darsteller ihrer selbst auftreten und von den Künstlern als Experten oder auch ready-made-Darsteller bezeichnet werden. Die Darsteller spielen keinen Dramen-Text, sondern sich selbst in Theateraufführungen, Radiostücken und Filmprojekten. Dabei wird der Text sowie der Verlauf auf der Basis ihrer jeweiligen Biografien und Berufe erarbeitet.


Wooster Group

House/Lights

Veröffentlicht am 14.07.2013

Die Wooster Group (New York) gilt als die einflussreichste Theatergruppe der 70er, 80er und 90er Jahre, als Vorreiter des postdramatischen Theaters und als Vorreiter eines Theaters der Dekonstruktion, das nicht ihre Interpretation einer Aussage der Textvorlage in den Vordergrund stellt.


Stattdessen wird die Umsetzung des Textes gebrochen in der aktuellen Lektüre praktiziert, also vom Text ausgehend einen neuen, eigenen Aufführungstext generiert, statt der Vorlage werktreu dienen zu wollen. Dies geschieht häufig durch die Kombination unterschiedlichster Material-Ebenen, wodurch sich die Aufführungshandlung von den einzelnen Materialien emanzipiert und der Zuschauer angehalten wird, sich von der Erwartung einer „einfachen“, abschließbaren Interpretation des Stückes zu verabschieden und sich als Produzent „seiner“ Wahrnehmung der Inszenierung zu erleben. Damit wurden sie frühe Helden und Vorreiter eines postdramatischen Theaters, das den Vorgang der Aufführung in ironischer und kritischer Distanz zu ihrer literarischen Vorlage entwickelt, bzw. sich vollständig davon emanzipiert. Viele der oft preisgekrönten Produktionen der Gruppe wurden weltweit zu Gastspielen eingeladen. Die Wooster Group war insbesondere stilbildend und Pionier im Einsatz von Videotechnik auf der Bühne, stets auf der Suche nach zeitgemäßen Formen der Bühnenhandlung und des Bühnenbilds, die den Zuschauer herausforderten, seine Sehgewohnheiten und Erwartungen zu überprüfen und mit ihnen selbst zu spielen. Stücke der Wooster Group sind häufig Montagen unterschiedlicher ästhetischer Ebenen und Elemente, in denen Tanz, Video, Film, Soundtrack und Architektur und vor allem ein immenses Spektrum an oft zitierten schauspielerischen Genres – von traditionellen japanischen Schauspieltechniken über Bewegungs- und Sprachkultur der afroamerikanischen Kultur bis zum Hollywood-Stil der prominenten Mitglieder Ron Vawter und Willem Dafoe sich zu oft sehr komplexen Zeichen-Systemen verdichten.


Living Theatre

The Brig

Hochgeladen am 26.04.2007

The Living Theatre has produced a new production of "The Brig" by Kenneth H. Brown, first presented at The Living Theatre at 14th St. and Sixth Avenue in 1963.


Das Living Theatre ist eine anarcho-pazifistische Theatergruppe, die 1947 in New York gegründet wurde und bis heute mit einer Gruppe in den Vereinigten Staaten und einer weiteren in Italien vertreten ist. Vor allem durch die Kinodokumentation Resist – Ein Traum vom Leben (Original: Resist! To Be with the Living, 2004) von Dirk Szuszies, einem früheren Mitglied, und Karin Kaper ist das Living Theatre auch in der deutschsprachigen Theaterszene bekannt.


Gob Squad

Before Your Very Eyes

Veröffentlicht am 22.03.2012

Seven young actors, ages 8-14, locked inside a room of one-way mirrors peer into the future at their adult selves and reflect on society's obsession with youth and the ageing process.


Gob Squad ist ein deutsch-britisches Performance-Kollektiv, das 1994 an der Nottingham-Trent-Universität gegründet wurde. Mit anfangs ausschließlich an realen Orten stattfindenden Performances entwickelte die Gruppe ihren eigenen Stil, Realität und Theatrales miteinander zu verbinden. Seit dem Jahr 2000 spielen Passanten oder Zuschauer in den Stücken von Gob Squad eine große Rolle und machen so jede Aufführung einmalig. Außer Theater-Performances benutzt die Gruppe auch das Format von Hörspielen, Internet-Performances, Filmen und Videos.


teAtrum VII

Sommernachtstraum

Hochgeladen am 24.09.2011

William Shakespeares "Sommernachtstraum" in der Kunst- und Ausstellungshalle "Familie Montez" in Frankfurt am Main. Regie: Sascha Weipert.


teAtrum VII (sprich: Theatrum 7) ist ein freies Theater in Frankfurt am Main und Berlin. Die Produktionen finden an unterschiedlichen Spielorten statt: So beispielsweise in alten Kellergewölben, in und auf dem Campus der Fachhochschule, im Foyer der Oper, in Schulen, Clubs, Diskotheken.

Die Theatergruppe existiert seit 1996. Neben experimentellem Theater mit professionellen Schauspielern, Amateuren und Laien (als sogenannte "Experten des Alltags") hat sich teAtrum VII unter der Leitung des Frankfurter Regisseurs und Theaterpädagogen Sascha Alexander Weipert darauf konzentriert, bestehende Texte zu bearbeiten und in neuen Interpretationen auf die Bühne zu bringen. Einige der Stücke, die oft auf der Grundlage von Klassikern entstehen, werden aus unterschiedlichen Quellen und eigenen Dialogen zusammengefügt.

Das Experimentieren mit Sprache, Bewegung, Tanz, Musik, Bildern, Räumen, Klängen sowie der Einsatz moderner Medien (wie Film, Video, Fotografie) sind wesentliche Bestandteile der Inszenierungen.


Postdramatik allgemein


Der Begriff Postdramatisches Theater stammt vom Frankfurter Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann. Er fasst hierunter Tendenzen und Stilmittel im Theater seit den ausgehenden 1960er Jahren zusammen. Als postdramatisch bezeichnet Lehmann ein Theater, das sich nicht mehr vorrangig an das Primat des Dramas, also des literarischen Dramentextes hält. Stattdessen entwickelt diese Darstellungsform eine Ästhetik, die in der Aufführungssituation eine Möglichkeit aufbaut, den Dramentext in ein spezielles Verhältnis zum materiellen Bühnengeschehen zu setzen, um hierdurch alternative Wahrnehmungen beim Zuschauer zu erreichen.


Postdramatisches Theater zielt weniger darauf ab, ein Drama möglichst textgetreu zu inszenieren, sondern durch räumliche, visuelle und lautliche Zeichen eine entsprechende Wirkung beim Zuschauer zu erzielen. Es darf jedoch nicht mit Brechts Konzept (Episches Theater) verwechselt werden: Brecht hält an der Fabel fest und bevorzugt − trotz aller Verfremdungen − einen dramatischen Theaterbegriff. Postdramatisches Theater kennt keinen Illusionismus mehr. Es konzentriert sich darauf, die Aufführung zu zentralisieren und den Kommunikationsprozess zwischen Schauspieler und Publikum zu betonen. Dabei geht es auch um eine Autopoiesis in der jeweiligen Aufführungssituation.

Ein solches Theater meint Arbeiten, in denen der literarische Text, also das eigentliche Drama, nicht länger zentraler Gegenstand im Aufführungsprozess ist; andere Zeichen treten hervor. Theater präsentiert seinen phänomenologischen Charakter, um in ein spezielles Verhältnis zum Text zu gelangen. Das vielschichtige Phänomen des postdramatischen Theaters ist folglich nur bedingt einheitlich definierbar. Die Frage, ob bereits in der historischen Avantgarde Ansätze von Postdramatik vorhanden waren, beantwortet Lehmann dahingehend, dass auch die Vertreter der anti-bürgerlichen Avantgarde noch das Drama als zentrale Referenz im Auge behielten.


Gegenwärtig erscheinen auf europäischen Theaterbühnen jene Tendenzen, die sich sowohl auf die Textualität als auch auf die Performativität von Theater beziehen: Während Inszenierungen der 1990er Jahre den Blick auf Materialität und Produktionsweisen richteten, zeigen sich seit den Jahren nach 2000 neue Entwicklungen, die eine Orientierung am literarischen Text unter postdramatischen Paradigmen erkennen lassen. Es kann einerseits vom postdramatischen Theater der 1990er Jahre und andererseits vom gegenwärtigen postdramatischen Theater gesprochen werden.

Nützlich wird Lehmanns Ansatz, wenn es darum geht, aktuelle Fragen zu Theater und dessen Möglichkeiten neu zu stellen, beispielsweise die Frage nach dem Verhältnis von Theater und Politik oder nach seiner politischen Wirkung. Lehmann plädiert dafür, das Politische nicht im Inhalt eines Theaterstückes zu suchen sondern im Aufführungsprozess, der unterbrochen und in seiner Regelmäßigkeit bewusst gemacht werden soll.