Theatergeschichte


Antikes Theater

Griechisches Theater als Comic

Veröffentlicht am 06.03.2014

ZDF - Terra X: Im Comicstil erklärt: Epos, Tragödie und Komödie.


Das Theater der griechischen Antike gilt als Wiege des abendländlichen Schauspiels und markiert mit der Etablierung des Zuschauerraums einen entscheidenden Wendepunkt und Entwicklung in der Theatergeschichte. Mit der neuen vorchristlichen Gesellschaftsform, der Demokratie, wurde das rituelle Festspiel zur politischen Festversammlung, das kultischen Ursprüngen treu ist. Das heißt, dass sich die Spielzeiten weitgehend an Götter- und Festtage binden. Das nun entstandene Schauspiel zielte nicht mehr darauf ab, eine Verbindung von Schauspieler und Götterwelt zu verkörpern, sondern eine Brücke zum passiven Publikum zu schlagen, um ihnen eine Identität zu vermitteln, die sie auf das staatliche Gemeinwesen verpflichtet.


Passionsspiele

seit 375 Jahren, Oberammergau

Hochgeladen am 14.10.2010




Im Mittelalter entstanden Mysterien- und Passionsspiele, da man Heilsgeschichten von der Entstehung der Welt bis hin zum Jüngsten Gericht erzählen wollte. Zunächst waren nur Kleriker im Schauspiel beteiligt, später zog man dann männliche Bürger heran, um den zahlreichen Rollen der tagelang dauernden Festspiele gerecht zu werden, um dann noch später das Schauspiel komplett in die Hände der Bürger zu geben. Die Passionsspiele fanden große Verbreitung und wurden zu nicht mehr nur kirchlichem Ereignis städtischer Festkultur. Im 14. Jahrhundert wurden dann auch inhaltliche Schwerpunkte verändert. Nicht mehr die Verehrung Jesu, sondern die Erniedrigung und das Leiden rückten in den Mittelpunkt. Die Passion wurde zum Spiegel des neuen Lebensgefühls, dass durch Hungersnot, Pest und der Krise der kirchlichen und politischen Autorität geprägt war, und orientierte sich immer mehr an der empirischen Wirklichkeit.


Fastnachtsspiele

Rothenburg

Veröffentlicht am 03.03.2014

Hans Sachs schrieb im Mittelalter als Schuhmachermeister und Poet 4000 Meisterlieder und 87 Fastnachtsspiele. Die Hans-Sachs-Spiele in Rothenburg wurden 1921 gegründet.


Als Fastnachtsspiele bezeichnet man komische Burlesken, welche im 15. Jahrhundert in Deutschland entstanden sind und die ersten Anfänge einer weltlichen Bühne darstellen. Man erklärt ihren Ursprung dadurch am einfachsten, dass um die Zeit der Fastnacht junge Burschen verkleidet von einem Haus zum anderen zogen, um ihre Bekannten zu belustigen. Dies führte allmählich zu wirklichen Vorstellungen, die mit einem Dialog, zuletzt sogar mit szenischen Anordnungen verbunden wurden und das weltliche und komische Element, das sich bereits in den viel älteren Mysterienspielen entwickelt hatte, in sich aufnahmen und weiter ausbildeten.

Eine typische Abfolge eines Fastnachtsspiels: Einer der Spieler unterbricht den allgemeinen Fastnachtstrubel, begrüßt Gäste und Wirt und bittet um Ruhe. Dann leitet er zum Gegenstand des Spiels über. Zum Schluss verkündet er das Ende und den Aufbruch, da noch woanders gespielt werden muss. Er bedankt sich beim Wirt und fordert ab und an zum Tanz und Umtrunk auf. Es gab keine Bühne, keine Regieanweisungen, keine aufwendigen Requisiten. Die Spiele sollten ein besonderer Beitrag zur allgemeinen Fastnachtslustbarkeit sein, mit heiter-derbem Inhalt, einfachem Bau und geringem Umfang.


Renaissance

Macchiavelli La Mandragola

Hochgeladen am 22.02.2010

Präsentation der "Mandragola" von Niccolò Machiavelli, im Teatro di Cestello di Firenze, 2005/2006. Theatergruppe: Cenacolo dei Giovani. Regie: Giorgio Ceccarelli. 


Die berühmtesten Renaissancekomödien schrieb Niccolò Machiavelli, der die antiken Vorbilder beiseite warf und ein scharfes Porträt der Sitten und Laster seiner Zeit in die Werke einbaute. Mit der Tragödie setzen sich Gelehrte hauptsächlich theoretisch auseinander und leiteten aus dem Werk Poetik von Aristoteles Dichtungsnormen ab. Zu seinen wichtigsten Gesetzen gehörte die Beachtung der drei Einheiten von Ort, Handlung und Zeit im Drama.


Commedia ...

dell'Arte

Veröffentlicht am 02.10.2013

Tragedy tomorrow, commedia tonight!

From TDF's Theatre Dictionary


Commedia dell’arte (italienisch für „Berufsschauspielkunst“, wobei commedia allgemein für das Theater steht und arte mit „Kunst“ im Sinne von „Handwerk, Beruf“ zu übersetzen ist) bezeichnet eine Form der italienischen Volkskomödie des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Die Schauspieler nutzen feststehender Figuren, ihres persönlichen Repertoires wie zum Beispiel die Zanni, die das einfache Volk repräsentierte, den Arleccino, der die Gegensätze Gut und Böse beziehungsweise Komik und Tragik verkörpert und sich im Diesseits und im Jenseits bewegen kann.

Eine Theaterform gilt dann als typisch für die Commedia dell'Arte, wenn das Stück dem Schauspieler und dem Ensemble dient und nicht dem Autor oder dem Text, es szenische Wirkung anstrebt und nicht Probleme aufwirft und Gehalt vertieft, Masken und Typen dargestellt werden und nicht Individuen und ihre Entwicklung und das Stück moralisch indifferent ist und nicht Werte vermittelt und belehrt.


Elizabethan

Shakespeare, Marlowe, Johnson

Hochgeladen am 09.09.2010

Thea Sharrock'production of As you Like It at the Globe Theatre.


Eine allgemeine kulturelle Blüte Englands führte im 16. Jahrhundert zur Entstehung eines Theaterwesens, das in seinen Ausmaßen wohl nur mit antiken Vorbildern zu vergleichen ist: Erstmals seit über tausend Jahren existierten wieder professionelle Schauspieltruppen. Das Theater avancierte – bis zum Verbot aller Theateraufführungen unter puritanischer Herrschaft im Jahr 1642 – zum Raum für die Begegnung der gesellschaftlichen Schichten. Schlagartig wuchs die Produktion dramatischer Werke an, entstanden vielfältige (und neue) theatrale Formen. Auch William Shakespeares Schaffen fällt in diese Zeit.

Die Verwendung von Dekorationen war lange Zeit ein Streitpunkt in der Forschung: Ältere Literatur geht davon aus, dass die Bühne vollkommen leer war und nur durch den Stücktext Lokalisierungen vorgenommen wurden. Für dieses Verfahren hat sich der Begriff der Wortkulisse eingebürgert. Hinweise darauf sind die zahlreichen und ausführlichen Ortsbeschreibungen in der Figurenrede der Dramen. Wahrscheinlicher jedoch sind emblematische Kulissen, d. h. Versatzstücke, die auf einen bestimmten Ort hindeuten (wie z. B. ein Thron oder Zelte) und – qua sprachlicher Charakterisierung – variabel eingesetzt werden können. Belegt ist auch die Verwendung von Ortsschildern, etwa über den Bühnentüren.

Aus den Shakespearschen Dramen lässt sich mitunter auf bestimmte Inszenierungskonventionen schließen: So werden z. B. alle Auftritte explizit angekündigt – woraus man folgert, dass die Schauspieler im vorderen Bereich der platform standen, und hinzukommende Figuren erst einen langen Weg zurücklegen mussten, ehe sie am Geschehen teilnehmen konnten. Als nahezu gesichert kann ferner gelten, dass die Darsteller schnell sprachen, denn die durchschnittliche Aufführungsdauer war sehr kurz im Verhältnis zur Länge der Texte.

Vieles bleibt freilich spekulativ: So liegen z. B. über die Einbeziehung des Publikums mehrere Theorien vor; waren die public playhouses laute, überfüllte Arenen, in denen die groundlings permanent das Geschehen auf der Bühne kommentierten, worauf die Schauspieler ihrerseits reagierten? Oder vermochte ein Dramatiker wie Shakespeare sein Publikum zu fesseln, herrschte andächtige Stille während der Aufführungen?


Barocktheater

Schlosstheater Potsdam

Hochgeladen am 23.05.2011
Musikalisch-szenisches Bühnenstück mit Puppenspiel, Pantomime, Barocktanz und Gesang

Zu keiner Zeit wurde das Theater mehr geliebt als während des europäischen Barocks. Das Spiel auf der Bühne war im 17. Jahrhundert ein Abbild und Sinnbild einer glanzvollen Welt. Der Niedergang des Feudalismus und der Sieg des Absolutismus stürzten alte Werte und schärften das Bewusstsein für Schein und Sein. Der Mensch als wahres Abbild der Gesellschaft und Seinesgleichen, Gott als Regisseur und Zuschauer – diesem Bild wurde in der gesamten Barockkultur nachgeeifert und entfaltete sich in glanzvoller Theatralik. Am absolutistischen Hofe wurde sogar das Alltagsleben theatralisch arrangiert, und mit jeder Inszenierung wollte man die vorherige übertreffen. Das Verlangen nach Dramatik und theatralen Festlichkeiten wurde immer stärker, welches den Berufsstand des Dramatikers in eine Blütezeit versetzte. In den Großstädten kam ein urbaner, kommerzieller Theaterbetrieb (zu den Betrieben der ebenfalls Geld verlangenden fahrenden Spielleute) hinzu, und es kam zu Feier von besonders beliebten Schauspielern wie bei heutigen Stars. Immer größer werdender Andrang und Erweiterung des Spiels forderten bald die Abwandlung vom höfischen Theater zum Volkstheater – die ersten Guckkastenbühnen entstanden, später wurden dann Zuschauerräume eingerichtet, mit Rängen und Logen, die eine Hierarchie der Gesellschaft abbilden sollten.

Das Barocktheater war ein Auffangbecken verschiedenster theatraler Gattungen der vorherigen Epochen und ein Sammelbecken verschiedenster kultureller Kunstrichtungen, die von reisenden Theatergruppen immer wieder aufgenommen wurden und in ihre Inszenierungen eingebaut wurden. Die schon in der Renaissance auftauchende „Commedia dell'arte“ galt als die Theaterform schlechthin, mit ihr emanzipierte sich das Schauspiel von der Literatur. Improvisationskunst und ein Feuerwerk mimischer, musikalischer und choreographischer Einfälle waren ihr Merkmal und begeisterten nicht nur das Bürgertum mit ihrer kommerziellen Ausrichtung. Höher angesiedelt war demgegenüber das höfische Theater, das bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts europaweit Opern und Komödien privilegierte. Keineswegs darf dies missverstanden werden: Die Opern waren seit 1600 das hohe Theater – die Stücke erschienen in der Regel gedruckt, um während der Aufführungen gelesen zu werden, um nach der Aufführung an das Stück zu erinnern, um als Poesie gelesen und geschätzt zu werden. Die berühmtesten Opern-Poeten gaben ihre Werke daneben in Sammelausgaben heraus – die Texte ohne die Musik, die den kurzfristigeren Moden unterlag und vor Ort für den Anlass komponiert wurde. Die Oper, die von Italien aus Europa eroberte, erlebte einen Siegeszug an den aristokratischen Höfen.